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…,wenn ihr könnt, sendet mir Lebensmittel, Geld, es ist mir schwer, Euch, meine Lieben darum zu bitten.

Erna Berl, Brief vom 6. November 1940 aus Gurs an ihren Sohn Fritz

Andere Lager in der Südzone

Die Lager der Vichy-Regierung, in denen ab Frühjahr 1941 Saarländer*innen interniert waren, waren verschiedenen Kategorien zugeordnet.

Familien – Kinder – Ältere – Kranke

Das im März 1941 eröffnete Lager Rivesaltes war für Familien mit Kindern geplant. In dem ehemaligen Durchgangslager für Kolonialtruppen des Ersten Weltkrieges sollte auf 600 Hektar Fläche eine „Stadt der Kinder“ entstehen. Jedoch scheiterte der Plan an Missmanagement und schlechter Organisation, sodass sich der Gesundheitszustand der Kinder aufgrund von Mangelernährung enorm verschlechterte. Erst der Einsatz von Hilfsorganisationen konnte hier Abhilfe schaffen. Die Hilfsorganisationen befreiten die meisten Kinder aus dem Lager, indem sie sie in Kinderheimen unterbrachten. Auf diese Weise retteten sie ihnen das Leben.

Die Lager in Noé und Récébédou waren wie das Lager in Brens 40 Kilometer von Toulouse entfernt. Beide entstanden auf private Initiative jüdischer Wohlfahrtsorganisationen aus Toulouse. Sie hatten dort im Sommer 1940 Auffanglager für jene Geflüchtete aus dem besetzten Frankreich gegründet, die nicht mehr die Demarkationslinie passieren konnten. Die Internierten aus Brens wurden jedoch im Februar 1941 auf die Lager Gurs, Noé und Rivesaltes verteilt. Ab März 1941 stand Brens leer. Ab Februar 1942 wurde Brens als Straflager für internierte Frauen genutzt. Die Lager in Noé und Récébédou dienten, nachdem sie im Februar 1941 unter die Verwaltung des Innenministeriums gestellt wurden, dazu, ältere und kranke Internierte aufzunehmen.  

Für kranke Internierte diente auch ab Oktober 1941 das ehemalige Sanatorium für Lungenkrankheiten „La Guiche“ im gleichnamigen Dorf, 45 Kilometer von Mâcon gelegen. Es diente als Hospital für die an Tuberkulose erkrankten Internierten. 

Auch die psychiatrische Klinik in Lannemezan bei Gurs nahm erkrankte Internierte auf. Mit einer Belegungszahl von max. 260 Personen war sie bis März 1944 im Einsatz. 

Das Hospital St. Louis in Perpignan war seit Frühjahr 1939 Krankenhaus für die Internierten der Lager der Region.

Auswandererlager und Straflager

Das in einer Ziegelei eingerichtete Lager Les Milles fungierte als Transitlager für Männer, die dort auf ihre Ausreise mit dem Schiff nach Übersee warteten. Für Frauen wurden dafür die Hotels Bompard und Terminus in Marseille genutzt. Auch das Marseiller Hotel Le Levant, das von Flüchtlingsorganisationen betrieben wurde und unter Polizeiaufsicht stand, nahm Frauen auf.

Le Vernet wurde zum Straflager für Männer, Rieucros Straflager für Frauen. Letzteres wurde später nach Brens verlegt. 

Ein weiteres Straflager in Nexon war ursprünglich ein Straflager für Französ*innen, insbesondere für Kommunist*innen. 

Arbeitslager und Lager für Angehörige der Prestatäre

Die Arbeitslager, die in der Zuständigkeit des Kriegsministeriums standen, wechselten im November 1940 in die Zuständigkeit des Arbeitsministeriums. Dort wurden die aus Lagern wie Gurs rekrutierten Prestatäre interniert. Davon betroffen waren ausländische Männer zwischen 18 und 55 Jahren. Die Lager waren in der Nähe der Einsatzorte (Wälder, Fabriken, Bergwerke usw.). 

Zugleich errichtet der “Service Social des étrangers” (S.S.E.) für die Familien der Prestatäre sogenannte „Centres d'accueil du Service Social des étrangers“. Dazu wurden unter anderem leerstehende Hotels in Alboussière oder Landschlösser wie z.B. das Châteaux de Tombebouc oder Kasernen in Montmélian genutzt. Dazu kamen noch die Barackenlager in Douadic, Masseube und L'Isle de Jourdain. Die Zentren wurden auch dazu genutzt, um Internierte aufzunehmen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr zur Arbeit eingesetzt werden konnten. 

Darüber hinaus gab es noch die „Centre de résidence assigné“. Dorthin konnten die Präfekten jüdische Ausländer*innen verweisen, die in ihrem jeweiligen Département wohnten. Diese Maßnahme betraf vor allem Geflüchtete, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügten, um sich den Aufenthalt außerhalb des Lagers unter Bewachung durch die Polizei leisten zu können. Dafür wurden leerstehende Hotels in den Kurorten La Bourbole, Le Mont-Dore, Saint-Nectaire und Evaux-les-Bains genutzt. 

Im Mai 1941 wurden in die Hotels in Creuse auch Internierte ab 60 Jahren aus Gurs verlegt, die über entsprechende Geldmittel verfügten oder von ihren Verwandten aus Übersee damit versorgt wurden. Die Menschen waren zwar dem Lager entkommen, aber der neue Aufenthaltsort bot keinen Schutz vor den Deportationen ab August 1942.