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Gurs, eine eigenartige Silbe.
Wie ein Schluchzen, das die Kehle zurückhält

Louis Aragon, 1943

Glossar zum Lager Gurs

A

AD: Archives départementales (Nummer des Departements oder Initialen: Pyrenées-Atlantique/Pau)

Affidavit of sponsorship: Eidesstattliche Erklärung einer/eines unbescholtenen US-Bürger*in. Diese*r verbürgt sich für die moralische Redlichkeit der Antragssteller*in. 

Affidavit of support: Eidesstaatliche Erklärung der/des Bürg*in für die/den Antragsteller*in, in der sie/er ihre/seine finanziellen Verhältnisse offenlegt und sich verpflichtet, mit ihrem/seinem ganzen Besitz für die/den Antragsteller*in aufzukommen.

B

BdS: Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Frankreich

BEG: Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung

C

CAR: Comité d'assistance aux réfugiés (Hilfsorganisation)

CC: Commission des Camps (Hilfsorganisation)

CIMADE: Comités intermouvements auprès des évacués (Hilfsorganisation)

CTE: Compagnie de travailleurs étrangers/Arbeitseinsatzgruppe für ausländische Arbeiter

Comité de Nîmes: Zusammenschluss von 25 französischen und internationalen in Südfrankreich tätigen Hilfsorganisationen, gegründet im Herbst 1940 und auch im Lager Gurs aktiv

G

GMR: Groupes mobiles de réserve (Bereitschaftspolizei)

GTE: Groupement de travailleurs étrangers (Arbeitseinheit ausländischer Arbeiter)

I

Ilot: Französisch für „Kleine Insel“. Das Lager Gurs bestand aus 13 Ilots. Ein Ilot bildete 25 bis 27 Baracken. Es gab neun Ilots für Männer, vier Ilots für Frauen. In einer Baracke waren 40 bis 50 Internierte untergebracht.

J

JOINT: American Joint Distribution Committee

L

LA SB: Landesarchiv Saarbrücken

N

Nansen-Pass: Der norwegische Polarforscher Fritjof Nansen (1861-1930) war vom Völkerbund zum Hochkommissar für Flüchtlingsfragen bestellt worden. Die von ihm eingerichtete und geleitete Dienststelle behielt auch nach seinem Tod seinen Namen. Der Nansen-Pass wurde am 05.07.1922 für russische Geflüchtete eingeführt und in den folgenden Jahren auch für staatenlose und quasi-staatenlose Flüchtlinge ausgestellt.

Nordzone Frankreichs: Nach dem Abschluss des Waffenstillstandsabkommens zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Juni 1940 wurde Frankreich in eine Nord- und eine Südzone geteilt. Die Nordzone umfasst drei Fünftel des Landes und war von NS-Deutschland besetzt. Sie erstreckte sich nördlich der Linie Genf-Drôle-Tours-Mont-de-Marsan sowie von der französischen Atlantikküste bis zur Grenze nach Spanien.

O

ORT: Organisation-Reconstruction-Travail (Hilfsorganisation). Sie sorgte dafür, dass die internierten Kinder und Jugendlichen eine Ausbildung erhielten. 

OSE: Œuvre de secours aux enfants (Hilfsorganisation)

O.T.: Organisation Todt gegründet im Mai 1938 und benannt nach dem Bauingenieur und Leiter der Organisation Fritz Todt (1891-1942), den Generalbevollmächtigen für die Regelung der Bauwirtschaft. Die O.T. wurde zuerst beim von der Wehrmacht geleiteten Bau des sogenannten „Westwalls“ eingesetzt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die O.T. zu einer nach militärischen Gesichtspunkten aufgebauten Bauorganisation. In den von Deutschland besetzten Gebieten wurden freiwillige Hilfskräfte und im weiteren Verlauf des Krieges seit 1943 auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Ab Herbst 1940 begann der Bau von Großbunkern für U-Boote an der französischen Atlantikküste. Dort entstand auch seit Dezember 1941 die Befestigungsanlage „Atlantikwall“, wofür auch Internierte aus den Lagern der Südzone eingesetzt wurden.

P

POUM: Anarchistische Partei im republikanischen Spanien

Prestatäre: Von der Vichy-Regierung zur Arbeit in den CTE/GTE verpflichtete männliche Internierte

Q

Quäker: „Religiöse Glaubensgemeinschaft der Freunde“ gegründet im 17. Jahrhundert in den USA und hauptsächlich beheimatet in den USA und in Großbritannien. Die evangelische Glaubensgemeinschaft engagierte sich als Hilfsorganisation im und nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Dafür erhielt sie 1947 den Friedensnobelpreis.

R

R.E.I.: Régiment étranger d'infanterie

R.M.V.E.: Régiment de marche de volontaires étrangers

RSHA: Reichssicherheitshauptamt

S

Sauf-Conduit: Passierschein. Mit diesem Schriftstück war es möglich, von der besetzten in die unbesetzte Zone Frankreichs zu gelangen

SD: Sicherheitsdienst

SIM: Kommunistische Geheimpolizei des republikanischen Spanien

S.S.E.: Service Social des Etrangers

Sta: Stadtarchiv

STO: Service de travail obligatoire (Arbeitsdienst)

Südzone Frankreichs: Nach dem Abschluss des Waffenstillstandsabkommens zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Juni 1940 wurde Frankreich in eine Nord- und eine Südzone geteilt. Die Südzone war nicht von NS-Deutschland besetzt. Dieser „Etat français“ genannte Staat wurde von einer Regierung mit Sitz in dem Badeort Vichy unter Führung von Ministerpräsident Marschall Henri Philippe Pétain verwaltet.

Sukkot:  Das jüdische Laubhüttenfest. Es erinnert Jüdinnen und Juden an das Leben ihrer Vorfahren während ihrer Flucht aus Ägypten.

U

UGIF: Union générale des israélites de France (Vereinigung der Juden in Frankreich)

Unitarier: Religionsgemeinschaft, die historisch den freireligiösen Gemeinschaften zugeordnet wird.

W

Waffenstillstandsabkommen (WAKO): Nach der Besetzung Frankreichs durch NS-Deutschland am 10. Mai 1940 wurde am 22. Juni 1940 im Wald von Compiègne zwischen NS-Deutschland und Frankreich das Waffenstillstandsabkommen geschlossen. In Folge dessen wurden Elsass und Lothringen von Frankreich abgetrennt und den Gauleitern von Baden und der Saarpfalz unterstellt. Frankreich wurde in die von Deutschland besetzte Nordzone und die von der Regierung von Maréchal Phillippe Pétain verwaltete Südzone unterteilt. Deren Regierungssitz war der Badeort Vichy. 

WGG: Wiedergutmachungsgesetz. Das „Gesetz über die Wiedergutmachung der den Opfern des Nationalsozialismus zugefügten Schäden“ (siehe dazu Amtsblatt des Saarlandes Nr. 68, 1948, S. 1122-1129) wurde am 31. Juli 1948 von der saarländischen Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann erlassen. Das Gesetz folgte der Verordnung Nr. 164 über die Entschädigung der Opfer des Nazismus der französischen Militärregierung vom 29. Juni 1948 (siehe dazu: Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland Nr. 182, 1948, S. 1583-1584). 

Antragsberechtigte waren alle Personen mit Wohnort im Saarland, die zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 aus politischen, rassischen, religiösen und weltanschaulichen Gründen vom NS-Regime verfolgt und geschädigt worden waren. Das galt auch für die Saarländer*innen, die in Folge der Abstimmung vom 13. Januar 1935 und der darauf folgenden Rückgliederung des damaligen Saargebietes an NS-Deutschland emigriert waren. 

Die Antragsfrist endete am 31. März 1949. Für im Ausland lebende Anspruchsberechtigte lief die Frist am 31. März 1950 ab. Die Beratungsstellen für die Antragsteller*innen waren bei den Landratsämtern angesiedelt.

Es gab vier Kategorien der Schädigung:

A: Ermordete Personen bzw. deren unterhaltsberechtigte Hinterbliebene.
B: Personen, die in einem Konzentrationslager inhaftiert waren; Personen, die eine Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe verbüßt hatten; Personen, die sonst ihrer Freiheit beraubt worden waren.
C: Emigrant*innen aus Gründen der politischen oder rassischen Verfolgung durch das NS-Regime.
D: Personen, die sonstige Schäden erlitten hatten.

Der Entschädigungsantrag bestand aus einem vierseitigen Fragebogen, in den persönliche Angaben sowie die Anlässe und Gründe der Schädigung eingetragen werden mussten. Über die Anerkennung und die Höhe der Entschädigung entschied eine Kommission. Deren Mitglieder setzten sich aus Vertreter*innen der Ministerien für Inneres, Justiz, Arbeit und Wohlfahrt sowie Finanzen und Forsten zusammen. Dazu kamen noch drei als Opfer des Nationalsozialismus‘ anerkannte Personen, die vom Wiedergutmachungsausschuss des Landtages des Saarlandes benannt wurden.

Y

YMCA: Young Men Christian Association (Hilfsorganisation)